Feuer an der Ruhr

Dokumentarfilm

Wir sind kein Land der Hirten, wo Kühe und Lämmer in idyllischer Ruhe geweidet werden. Wir sind ein Land, das in der seelischen Hochspannung der Energien seiner Arbeitskraft, seiner Technik und seiner Wissenschaft lebt. Wer die Atmosphäre in diesem Land nicht richtig einzuschätzen vermag, der sollte nicht mit politischen Streichhölzern herumfuchteln, denn es ist mehr als einfach, an der Ruhr ein Feuer anzuzünden. Brennt aber das Feuer einmal, dann hat der Rhein in Bonn nicht so viel Wasser, um dieses Feuer wieder zu löschen." (Karl Arnold) Innerhalb von hundertundeinbißchen Jahren entstand aus ein paar abgelegenen preußischen Dörfern das Ruhrgebiet als größtes europäisches Ballungszentrum. Die typischen Auswirkungen des durch den Boom der Montanindustrie bedingten schnellen Wachstums sind noch frisch und nachvollziehbar, etwa in der fast dörflichen Struktur der Arbeitersiedlungen, die einfach um die Zechen und Stahlhütten herumgebaut wurden, und in denen sich unter den herbeigezogenen Arbeitern eine feste Gemeinschaft bildete. Dadurch setzen sich die Ruhrstädte und -stadtteile oft auch heute noch von der Anonymität in anderen Großstädten ab, obwohl auch das, mitbedingt durch den Strukturwandel nach der Montankrise, langsam aber spürbar zurückgeht. Filmisch spielte das Ruhrgebiet allerdings lange Zeit keine große Rolle - erwähnenswert sind vielleicht noch der in Oberhausen gedrehte DER HERRSCHER (1937) mit Emil Jannings, eine "staatspolitisch wertvolle" Hauptmann-Adaption, die allerdings die kulturellen Besonderheiten seines Drehortes weitgehend ignoriert, dann noch DAS GROSSE SPIEL (1942), ein durch die Schalker Meisterschaftserfolge inspirierter Sportfilm. Auch nach dem Krieg scheute die vor allem in München und Berlin beheimatete Filmindustrie noch lange den Gang an die Ruhr. Erst als 1980 THEO GEGEN DEN REST DER WELT antrat und Horst Schimanski ein Jahr später anfing, sich mit mindestens genauso vielen Gegnern anzulegen, begann der Bann zu brechen. Heute hat das Ruhrgebiet das Image der reinen Proll-Kultur dankenswerterweise im Wesentlichen abgelegt (wir erinnern uns mit Grausen an die "Lass jucken, Kumpel"-Reihe) und begonnen, sich nicht nur zu seinen Wurzeln zu bekennen, sondern seine Kulturgeschichte auch als Innovation für filmische Höchstleistungen zu nehmen und dabei Werke zu drehen, die die Eigenheiten der Region wiederspiegeln und so nirgendwo sonst hätten entstehen können. Dabei ist es auch ein Teil der dankenswerten Ehrlichkeit der Filme, dass die Region und ihre Menschen vor allem in Komödien dargestellt werden. Schließlich ist den meisten Einwohnern das wöchentliche Theater auf Schalke näher als die Shakespearesche Tragödie im Schauspielhaus, und es gehört selbstverständlich zur hiesigen Tradition, dass für ein Entgelt die zu erwartende Leistung erbracht zu werden hat: Somit kann der Zuschauer für sein Eintrittsgeld ein Mindestmaß an Unterhaltungswert verlangen. Eine handverlesene Kollektion von unterhaltsamen, aber intelligenten Filmen ist nun auch in unserer Filmreihe zusammengestellt. Einmal ist Shakespeare zwar doch dabei - in DER REST IST SCHWEIGEN - aber das möge erlaubt sein, denn immerhin widmet sich dieser Film als Ausnahme dem Ruhrgebietsadel der Stahlbarone. Ansonsten verbleiben die Werke aber im Wesentlichen akademikerfrei, und beweisen, dass man auch intelligentes Kino bieten kann, wenn man auf im Übermaß zur Schau gestellte Kopflastigkeit verzichtet - eine Weisheit, die sich in vielen anderen filmproduzierenden Regionen unserer Republik noch nicht herumgesprochen zu haben scheint. Abschließend möchte ich Euch noch zwei Filme aus dem SKF-Programm besonders ans Herz legen: Erstens die zu unrecht etwas in Vergessenheit geratene Aussteigerkomödie JEDE MENGE KOHLE von Adolf Winkelmann als besonderes Bild- und Klangerlebnis, zum zweiten der den Reihentitel gebende FEUER AN DER RUHR, ein Farb-Dokumentarfilm aus den 50ern, der die Arbeit in der Montanindustrie derart kolossal inszeniert, dass dagegen BEN HUR wie ein schlecht photographierter Kinderfilm wirkt.

Eintritt:
Donnerstag bis Sonntag & Feiertags: 6,00 €
Montag & Mittwoch: 5,00 €
Dienstag ist Kinotag: 4,00 €
Kinder bis 11 Jahre: Täglich 4,00 €
Termine:

demnächst

Am Sonntag 19. Mai 2019 um 12:00 Uhr & Mittwoch 22. Mai 2019 um 18:30 Uhr in Ihrer Schauburg

Exhibition on Screen: Rembrandt (O.m.U.)
Kunstdokumentation - Großbritannien

Am Sonntag 18. November 2018 um 18:30 Uhr in der Filmreihe homochrom-lesbisch in Ihrer Schauburg

Filmreihe homochrom-lesbisch: Becks (O.m.U.)
Musical/Romanze/Drama - USA

Ab 15. November 2018 in Ihrer Schauburg

Der Trafikant
Drama - Österreich/Deutschland

 
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