24 Hour Party People

Drama/Musikfilm - Großbritannien

Gäbe es "24 Hour Party People" nicht, dann müsste man sich die Frage stellen, wann die Abenteuer der Manchester-Musikszene endlich verfilmt werden. Von den Anfängen von Punk bis zu den letzten Zuckungen der Acidhouse-Szene erstreckt sich die Saga ihres Machers Tony Wilson und deckt damit beinahe alle relevanten Entwicklungen der britischen Musikszene von Mitte der siebziger bis Anfang der neunziger Jahre ab. Akademisch oder bemüht wirkt Michael Winterbottoms furioser Film dennoch nie, weil er sich nicht um faktische Richtigkeit kümmert, dafür aber auf die Musik von unvergessenen Bands wie Joy Division, New Order oder Happy Mondays setzt und ähnlich frech und unbekümmert durch reiche Anekdotenschätze wildert, bis sich aus seinem Patchwork-Wust ein mitreißendes Porträt schält: über Musik, die Menschen, die sie machen, und die Stadt, in der sie leben.

Dass "24 Hour Party People" (Titel eines der legendären Kracher der Happy Mondays) als Musikfilm so überwältigend erfolgreich ist, liegt aber nicht nur an der hervorragenden Musik selbst, sondern auch an dem nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert des Protagonisten, Tony Wilson, der als Erzähler durch die Untiefen der Manchesterszene führt. Gespielt wird er von dem britischen Komiker Steve Coogan in einer wahren Tour de Force, die nicht selten an die Brillanz eines Peter Sellers erinnert. 1976 ist Wilson TV-Moderator beim Sender Granada. Wie alle Anwesenden inspiriert von einem frühen Auftritt der Sex Pistols in seiner Heimatstadt, wird er zum Dynamo und Impresario einer aus dem Nichts entstehenden Szene. Wilson etabliert die erste Clubnacht, gründet das einflussreiche Plattenlabel Factory Records, veröffentlicht wichtige Platten von Joy Division, Durutti Column oder New Order, stellt den legendären Club Hacienda auf die Beine, wird dort Zeuge der Geburtsstunde der Ravekultur und nimmt für all das auch bereitwillig finanzielle und private Fiaskos auf sich. Alldieweil dreht Wilson als ewiger Querulant und Querdenker der Industrie, dem Big Business und der Pophauptstadt London eine lange Nase: Punkrock, auch wenn's bisweilen auf eigene Kosten geht - so wie in der Hacienda, die auch dann rote Zahlen schreibt, wenn sie zum Bersten gefüllt ist oder der erfolgreichsten New-Order-Single, deren Covergestaltung so aufwendig war, das man bei jedem verkauften Exemplar draufzahlte.
Der Geist der respektlosen und experimentierfreudigen Anything-Goes-Komödien von Richard Lester ("Yeah, Yeah, Yeah", "Der gewisse Kniff") weht durch den Film, verbunden mit derart viel Lust an der Sache und einem Sinn für (Film-)Anarchie, als hätte auch Michael Winterbottom selbst zu den 42 Anwesenden bei besagter Sex-Pistols-Show gehört, die danach entflammt loszogen, um selbst neue und verrückte Dinge auf die Beine zu stellen und die Welt zu erobern. Wie "Trainspotting" ist auch "24 Hour Party People" ein Popfilm reinsten Wassers, in dem stets alles erlaubt ist. Für Winterbottom (und seine ständigen Mitstreiter Andrew Eaton und Frank Cottrell Boyce) ist diese enthusiastische Ode an Sex, Drogen und Rock'n'Roll ein überraschend lockerer Befreiungsschlag nach den strengen Arbeiten zuvor ("Das Reich und die Herrlichkeit", "With Or Without You", "I Want You"). Für das Publikum zählt aber vor allem, dass es blendend unterhalten wird: mit wunderbarem Humor, viel Fantasie, toller Musik, allerhand Wissenswerten - ein Rockfilm der Sonderklasse, kurz gesagt. ts.

Mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung

Eintritt:
Jede Vorstellung: 6,00 €
Termine:

 

Offizelle Seite: http://www.shrinkingcities.com

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